POLITEIA - AU WEIA
Heilige oder Hitler, Gurus oder Guttenberg – ungeachtet dessen, ob einer oder der andere von denen mehr oder weniger verehrens- oder verachtenswürdig wäre – den Jüngern ist das wurscht, sie lechzen nach ihrem Subjekt der Anbetung. Ob verlogen oder verkommen, Versprecher oder Verbrecher – verklärt wird das irgendwie Auffällige, das über den Durchschnitt aufragend Leuchtende: Da kann man festhalten dran, findet Orientierung für den eigenen wirren Weg durch die Unwägbarkeiten des Lebens, kann sich sonnen im fremden Glanz.
Den Leuten seien sie ja gegönnt, diese Strohhalme im Meer der eigenen Bedeu-tungslosigkeit, doch: Daß sie dabei gefährlich sind, ahnen sie selbst am wenigsten. Was Wunder, sind sie doch gern denkfaul, sind willentlich ignorant, selbstgerecht und wissentlich blöde. Freilich ists leicht aus dem Elfenbeinturm der Bildungsprivilegierten der Plebs vorzuwerfen, daß sie eben keine Oberseminare besucht, keinen Doktortitel geguttenbergt hat, und im schnöden Erwerbsalltag wohl kaum dazu kommt, sich zu bücken nach den Sandkörnchen der Erkenntnis. Und zudem gibt’s ja auch unter Bildungsprivilegierten genügend Plattköpfe, die aus freien Stücken sich gemein machen mit den erbärmlich Unwissenden. Und sei es „nur“, um ihnen zu gefallen, ihre Zuneigung zu gewinnen, die sich auszahlt in Stimmen, Macht und Mammon.
Es hilft nicht, drüberwegzusehen, zu tun als wäre’s anders. Wer sich zu den Wissenderen zählt, sollte der Gefahr gewärtig sein, die aus der Dummheit wächst. Denn die ist, neben der Habgier, dem Neid und übersteigerter Selbstliebe die größte Geißel der Menschheit. Und nachdem aus der Historie lernen, meist heißt, nichts zu lernen, sollten die, welche im Gegensatz dazu Geschichte, Gegenwart und Zukunft als interdependente Parameter begreifen, alles in ihren Möglichkeiten stehende tun, den „Anderen“ wenn schon nicht das Lehrstück Leben erklären zu wollen, immerhin doch mit gutem Beispiel voranstehen.
Allein, wo sind sie, die solches tun könnten? Solch nicht von Ehrenwörtern korrumpierte Gestalten. Nicht windig taktierende Kanzlerinnen, weder Fisch noch Fleisch, falsche Gewissenswürmer vor sich hertragend wie eine Monstranz, und statt einem aufrechten Gauck und seinen hinzuvereinigten Kompatrioten die höchste Ehre zu erweisen, im Bunde mit ihren Satrapen einen als Wulff getarnten Aal auf den Präsidententhron kriechen läßt. Und schon gar nicht pomadige Performer vom Schlage Guttenberg & Diekmann aus Boulevardistan: Bild dir bloß keine Meinung aus den Absonderungen der Bildversehrten...



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